Wie die Rohre durchs Haus laufen
Vom Heizraum im Keller geht die Verteilleitung zu den senkrechten Steigsträngen. Je ein Strang versorgt die Heizkörper übereinander liegender Wohnungen. In Berliner Altbauten verlaufen die Stränge häufig in den Ecken der Räume oder in Wandschlitzen. Von dort zweigen kurze Anbindeleitungen zu den Heizkörpern ab.
Das heiße Wasser steigt im Vorlauf nach oben und fließt im Rücklauf zurück. Bei Zweirohrsystemen verlaufen beide Leitungen getrennt, bei Einrohranlagen teilen sich die Heizkörper eines Strangs eine Leitung, wie es der Ratgeber zur Einrohrheizung erklärt. Welche Bauart vorliegt, sieht man am Anschluss des Heizkörpers.
Die Rohre selbst bestehen im Altbau oft aus Stahl, später auch aus Kupfer oder Kunststoff. Alte Stahlrohre rosten von innen und setzen sich nach Jahrzehnten zu. Das wirkt auf den Durchfluss und auf die Wärme im obersten Stockwerk. Dort, wo das Wasser am Ende ankommt, zeigen sich Mängel zuerst, etwa als Gluckern oder lauwarme Heizkörper in der obersten Wohnung des Hauses.
Typische Störungen alter Leitungen
Luft sammelt sich an den höchsten Stellen der Stränge, besonders im Dachgeschoss. Das zeigt sich durch Gluckern und Heizkörper, die oben kalt bleiben. Entlüften an den Heizkörpern der obersten Wohnung schafft meist Abhilfe. Hilfreich ist dazu der Ratgeber zu Heizkörpern, die oben kalt sind.
Schlamm und Rost lagern sich am Strangfuß und in Heizkörpern ab. Er behindert den Durchfluss und kann Ventile und Pumpen verstopfen. Ein Zeichen sind dunkles Wasser beim Entlüften und Heizkörper, die unten kalt bleiben. Spülen und Reinigen der Anlage ist Sache der Fachkraft, ebenso ein möglicher Schlammabscheider.
Was Bewohner beobachten dürfen
- Sie dürfen Rohre, Anbindungen und Heizkörper ansehen und anfassen, soweit das gefahrlos geht.
- Ist ein Rohr im Treppenhaus oder in der Küche besonders heiß, kalt oder feucht? Fühlen Sie die Leitung vorsichtig mit der flachen Hand ab, ohne Druck auszuüben. Wärmeunterschiede entlang des Strangs zeigen, wo das Wasser zirkuliert und wo nicht.
- Prüfen Sie außerdem den Druck an der Anlage, soweit Sie Zugang haben. Der Ratgeber zum Heizungsdruck am Manometer zeigt, wie das geht. Fällt der Druck, ohne dass Wasser sichtbar ist, deutet das auf ein verdecktes Leck. Nachfüllen ohne Füllschlauch, Systemtrenner und Gerätebeschreibung unterbleibt besser; dann übernimmt der Betrieb.
- Dämmung und Verkleidungen an den Rohren bleiben ungeöffnet.
- Alte Dämmstoffe können Schadstoffe enthalten, und hinter der Verkleidung liegen Verbindungen unter Druck. Wer ohne Fachkenntnis eine Leitung freilegt, riskiert Wasserschäden. Melden Sie Auffälligkeiten stattdessen der Hausverwaltung, die einen Betrieb beauftragen kann.
Wann der Betrieb ans Rohr geht
Der Betrieb sucht ein Leck mit Druckprobe, Wärmebild oder gezieltem Abtasten der Leitungen. Er isoliert den betroffenen Strang, wechselt Rohrstücke oder Verschraubungen und füllt die Anlage danach wieder auf. Bei verdeckten Leitungen braucht er mitunter Zugang zur Wand, den die Hausverwaltung vorab klären muss.
Merkliste zu Steigsträngen
- Ein Strang versorgt die Heizkörper übereinander liegender Wohnungen und fällt dann gemeinsam aus.
- Luft sitzt oben, Schlamm unten: Gluckern und kalte Köpfe oder kalte Füße.
- Fallender Druck ohne sichtbares Wasser deutet auf ein verdecktes Leck.
- Dämmung und Verkleidungen an Rohren bleiben geschlossen, Auffälligkeiten werden gemeldet.
- Feuchte Flecken mit Ort und Stockwerk notieren, bevor der Betrieb angerufen wird.
