Das Problem ohne Abgleich
Wasser nimmt den Weg des geringsten Widerstands. In einer Heizung bedeutet das ganz konkret, dass Heizkörper nahe der Umwälzpumpe sehr viel Wasser bekommen, entfernte dagegen wenig. Die nahen Räume werden heiß, die entfernten bleiben lau. Wer dann die Heizung höher dreht, überhitzt die einen Zimmer, ohne die anderen wirklich zu erwärmen.
Wie der Abgleich abläuft
Zuerst ermittelt die Fachkraft den Wärmebedarf jedes Raumes. Aus diesem Wert folgt die Wassermenge, die jeder Heizkörper bei der eingestellten Vorlauftemperatur erhalten muss. Diese Berechnung stützt sich auf Raumgröße, Dämmung, Fensterflächen und Heizkörperleistung. Erst danach wird eingestellt, denn ohne Zahlen bleibt jeder Eingriff am Ventil reines Raten und führt zu neuen Ungleichgewichten.
Danach stellt sie jedes Heizkörperventil voreingestellt ein. Moderne Thermostatventile besitzen dafür einen Ring oder eine Skala mit Zahlen, die den Durchfluss begrenzen und sich mit einem Werkzeug verändern lassen. Wasser, das früher durch nahe Heizkörper schoss, wird gebremst und erreicht nun auch ferne. Bei Bedarf stellt die Fachkraft zusätzlich die Pumpe auf eine passende Stufe, damit weder zu viel noch zu wenig Wasser läuft.
Am Ende folgt die Kontrolle. Werden alle Heizkörper gleichmäßig warm, und taktet der Wärmeerzeuger nicht mehr? Bleibt ein Heizkörper trotzdem kalt, liegt die Ursache woanders und wird gesondert gesucht. Wichtig ist, dass der Abgleich zum gesamten Gebäude passt. Einzelne Heizkörper nachzustellen, ohne die übrigen zu berücksichtigen, bringt kein dauerhaftes Ergebnis.
Was Sie selbst beobachten können
Prüfen Sie, ob alle Heizkörper bei offenen Thermostatköpfen ähnlich warm werden.
Fühlen Sie jeweils oben und unten. Sind einige sehr heiß und andere kaum warm, deutet das auf unausgeglichene Verteilung. Notieren Sie die Räume. Diese Liste ist für den Betrieb wertvoll, weil sie die Stellen mit der größten Abweichung zeigt.
Die Pumpe und die Heizkurve am Regler dürfen Sie nicht beliebig verändern. Eine zu stark eingestellte Pumpe verschärft Geräusche, eine zu hohe Vorlauftemperatur mildert die Symptome nur scheinbar. Der Eingriff gehört zusammen mit der Berechnung in eine Hand. Beobachten, notieren und fotografieren Sie, und überlassen Sie das Einstellen dem Betrieb.
Wann ein Heizungsbetrieb den Abgleich macht
- Rufen Sie an, wenn Räume dauerhaft ungleich warm werden, wenn Ventile pfeifen oder die Anlage taktet.
- Der Betrieb prüft, ob Voreinstellungen vorhanden sind, ob Ventile und Pumpe geeignet sind und welche Werte nötig wären. Bei alten Ventilen ohne Voreinstellung müssen Einsätze oder Ventile getauscht werden, bevor ein Abgleich möglich ist.
- Nennen Sie am Telefon die Gebäudeart.
- Dazu gehören die Zahl der Wohnungen oder Heizkörper, Beobachtungen zu warmen und kalten Räumen sowie das Gerät, möglichst mit Foto. Für Berechnung und Einstellung kommt dann ein Heizungsbetrieb aus der Region infrage, der direkt mit Ihnen abrechnet. Im Mehrfamilienhaus entscheidet die Hausverwaltung für das ganze Haus.
- Der Abgleich wirkt deutlich im Altbau mit Steigsträngen, ebenso im Plattenbau mit seinen langen Strängen. Die Seite zum Thema Heizung im Plattenbau erläutert die Besonderheiten solcher Stränge. Hängt das Haus an der Fernwärme, gleicht der Heizungsbetrieb ausschließlich die Hausseite ab, denn die plombierten Teile der Versorgerseite öffnet nur der Versorger. Wer zur Miete wohnt, informiert zusätzlich die Verwaltung des Hauses.
Merkliste zum Abgleich
- Der Abgleich verteilt das Heizwasser nach Bedarf auf alle Heizkörper.
- Pfeifende Ventile und taktende Anlagen deuten auf fehlenden Abgleich.
- Zuerst Luft ausschließen, dann die Verteilung prüfen.
- Voreinstellungen am Ventil nur mit Berechnung durch die Fachkraft ändern.
- Warme und kalte Räume aufschreiben, bevor Sie anrufen.
